Bringen wir mal ein bissl Niveau hier rein ^^
Manchmal treffen sich zwei Menschen auf einem Balkon und reden über Gott und die Welt. Seltener treffen sich Frau und Mann auf einem Balkon und sprechen über ihre Sicht auf Beziehungen. Ein Gesprächsfetzen
von Antonia Baum und Mathias Richel
Antonia:
Meine letzte längere Geschichte ist ein Jahr her und hat viermal so lange gedauert. Seitdem mache ich was alle machen: knutschen – mal hier, mal da; nie was Passendes dabei. Tschüss und bis bald. Mich nerven die hirnverbrannten Dialoge bei zu lauter Musik, das blöde ruft-er-oder-ich-an-Spielchen. Richtig unangenehm wird es, wenn man jemanden kennen lernt, den man richtig gut findet und das ihm dann zeigt. Dann ist man plötzlich so unspektakulär wie Tütensuppen im Sonderangebot. Nein, man muss immer schön so tun, als habe man weder Zeit noch Interesse – dann läuft die Sache garantiert rund. Das macht keinen Spass und überhaupt habe ich die Schnauze voll.
Mathias:
Ich glaube, dass taktisches Denken, in Bezug auf einen sauberen Nachgang einer Diskogeschichte, ein typisches Verhaltensmuster der Frauen ist. Es besteht kein Grund, da mehr als notwendig hinein zu interpretieren. Selbst wenn man dann, der intimen Situation des Tanzens geschuldet, rumknuscht, ist das doch noch lange nicht die Liebe deines Lebens. Das sind zu hohe Erwartungen! Was danach kommt – mal schauen …
Antonia:
Schaust du immer?
Mathias:
Erst einmal ist ja wohl nur dieser eine Abend interessant. Du machst dir ja auch keinen Plan und denkst dir: So, heute abend geht alles und noch mehr. Ich bin aber auch kein Kind von Traurigkeit und da kann es dann schon einmal passieren, dass ich auch schon am ersten Abend in die Vollen gehe. Du wirst es mir nicht glauben, aber aus genau solch einer Situation sind schon zwei wichtige Beziehungen von mir gewachsen.
Antonia:
Da glaube ich nicht dran. Klar, es gibt Ausnahmen, aber aus den meisten Club-Bekanntschaften mit danach »Zu-Dir-oder-zu-mir« wird nichts. Wundert mich auch nicht: Wenn man schon gleich am ersten Abend ins Bett geht, wird der andere einfach ziemlich schnell langweilig. Man hat sich gehabt und auf Wiedersehen. Als Mädchen ist das noch mal was anderes: Ist man leicht zu haben, bleibt das Telefon hinterher still. Klar hört sich das altmodisch an. Emanzipation, die Frau nimmt sich heute was sie braucht und vor allem keine Rücksicht … blablabla … meine Erfahrungswerte lehren mich etwas anderes. Jungs wollen Mädels erobern – heute, wie früher und das bleibt auch so.
Mathias:
Ich gebe grundsätzlich nur meine Telefonnummer. Ich nehme niemals eine mit. Das entlastet erstens von der eigenen Verantwortung und zweitens hat damit auch die Frau ein wenig die Zügel in der Hand. Ich will einfach ihr die Entscheidung überlassen, ob sie sich noch einmal meldet oder nicht.
Antonia:
Ist es dir dann nicht schon einmal passiert, dass du eine Frau total heiß fandest und die sich dann einfach nicht gemeldet hat? Dann wird sie doch erst richtig interessant für dich, oder?
Mathias:
Klar. Das unterliegt doch dem alten Balz-Prinzip.
Antonia:
Scheiß Balz-Prinzip. Ich möchte wirklich mal wissen, ob wir so einfach ticken: Desinteresse zeigen und schwupp-di-wupps hat man den anderen in der Tasche. So hat das auf jeden Fall bislang immer bei mir funktioniert: Gerade hatte ich … wahrscheinlich nennt man das eine ... Affäre. Der Typ hat sich am Anfang total ins Zeug gelegt, ich war super-cool und habe so getan, als würde mich das alles nicht interessieren. Wir waren zwei Wochen ständig zusammen und danach war plötzlich Ende der Vorstellung. Das ist doch eine Affäre, oder?
Mathias:
Schwierige Definition. Für mich war es immer eine Affäre, wenn es wissentlich, temporär begrenzt war, man sich nur seiner körperlichen Gier hingibt oder aber wenn es neben einer Beziehung lief.
Antonia:
Also ohne Gefühle.
Mathias:
Ohne Gefühle. Meistens.
Antonia:
Und wenn doch welche da sind? Was dann?
Matze:
Na, dann kann mehr draus werden. Vielleicht.
Antonia:
Der Typ von dem ich Dir erzählt habe hat mich vor ein paar Tagen angerufen, aber ich bin nicht ans Telefon gegangen.
Mathias:
Super…echt cool. Warum machst Du denn so was?
Antonia:
Natürlich ist das bescheuert, aber ich wollte ihm vermitteln, dass mich das alles nicht berührt. Unterm Strich und ehrlich: ich habe ganz einfach Angst. Ich mag ihn sehr, glaube aber, dass das mit uns nichts werden kann und habe einfach keine Lust auf traurig sein. Sehen will ich ihn trotzdem.
Mathias:
Dann ruf ihn an.
Antonia:
Nein. Er soll anrufen.
Mathias:
Bist DU bescheuert? Wenn man etwas von jemandem möchte, dann muss man das sagen. Wenn Du ihn sehen willst, musst Du anrufen. So einfach ist das. Irgendwann muss man sich von den albernen Spielchen verabschieden und die Karten auf den Tisch legen.
Antonia:
Ach nee, so funktioniert das also?!? Das weiß ich auch selber.
Mathias:
Ich bin da viel rationaler. Ich finde, man muss immer sagen, was man möchte. Ich mag nicht dieses rumgedruckste um den heißen Brei. Hier geht es ja vor allem um Eitelkeiten. Wer gibt zuerst nach usw. Meinst du auf solch einer Basis könnte jemals eine glückliche Beziehung wachsen?
Antonia:
Gibt es für dich auch dieses klassische Modell? Es gibt Frauen mit denen man ins Bett will und es gibt Frauen, die man heiraten möchte …
Mathias:
Ich möchte immer alle gleich heiraten. Nein, im Ernst. Natürlich gibt es Frauen, die dich allumfassend berühren und manche, die nur bestimmte Bereiche stimulieren.
Antonia:
Wer oder was sind für dich Schlampen?
Mathias:
Ich kenne keine. Eine Frau, die mir mit am ersten Abend ins Bett gehen würde, ist für mich nicht gleich eine Schlampe. Ich kann mit diesem Begriff nichts anfangen – er passt einfach nicht mehr in unserer Zeit. Die Frauen nehmen sich heute schon sehr bewusst, dass was sie wollen oder eben auch nicht. Da hilft auch kein Platzhirschgetue der Kerle. Sie können dich am ausgestreckten Finger verhungern lassen oder du hast mit ihnen die wundervollste Zeit deines Lebens.
Antonia:
In der Theorie stimmt das. Trotzdem wird eine Bekannte von mir nur noch „der Wanderpokal“ genannt, weil sie sich – um es in Deinen Worten zu sagen – nimmt, was sie will. Einem Typen würde das nie passieren. Überleg’ mal: Pokal. Ein Ding, das rumgereicht wird. Natürlich ist viel passiert. Jeder kann mit jedem und alles ist erlaubt. Trotzdem ist es ein Unterschied, ob eine Frau Hundertschaften durch ihr Bett zerrt, oder ob das ein Mann macht. Der ist dann ein cooler Player - eine Frau eben eine Schlampe.
Mathias:
Stimmt. Aber ich kenne trotzdem viele Mädels, die sich ganz selbstbewusst holen, was sie wollen. Und das wird sich durchsetzen.
Antonia:
Hoffentlich.
Wird fortgesetzt...
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