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Autor Thema: Anarchie in Frankreich?  (Gelesen 1258 mal)
Master of Disaster
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Vielleicht öffne ich die Büchse ja mal...


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« am: 08. November 2005, 16:22:15 »

Die Vorgänge sind ja allgemein bekannt, aber ist der Grund wirklich so banal und diese Banalität für alle der Auslöser?
Oder sind das einfach nur assoziale Krawall-Fanatiker, die sich dazugesellt haben?

Ich finde, dass das alles total entartet ist und nichts mehr mit dem Grund zu Beginn zu tun hat. Die Leute sitzten doch schon im Knast, glaub ich.
Da sind jetzt andere am Start, die sich wichtig machen wollen und nicht über die Konsequenzen ihrer Taten nachdenken.
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Annipie
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« Antworten #1 am: 08. November 2005, 16:28:30 »

Das war doch nur ein dummer kleiner Auslöser, der alles zum Überlaufen gebracht hat...Naja gut, aber die Ausländer in Frankreich werden wirklich net in die Geselschaft und dergleichen integriert..Sieh dir doch ma die Vororte an.Mit den halben Slums...Dort leben die meisten Ausländer von Frankreich, da muss es irgendwann ja ma brodeln und überkochen..Die Regierun hat in diesem Falle ziemlich versagt, da ist aber auch der Zentrialismus von Frankreich ein Problem, was die ganze Geschichte mitbestimmt..Das hat also alles so seinen Grund..

Naja was ich übertrieben find, sind unsere Medien, so unter dem Motto..Ja hier jetzt auch in Deutschland und son Quark, nur weil drei Autos ma in der  Nacht brannten..Das find ich vielleicht ma sinnlos...
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kugelschreiberkünstlerin durch schockinszenierung


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« Antworten #2 am: 08. November 2005, 20:43:55 »

Ich bin gespannt, wie sich die Regierung in Frankreich jetzt anstellt: ob sie ihre bisherigen Versprechen halten oder ob sie jetzt alle ihre Hintern einziehen, weil sie Angst haben und überhaupt wie sie die Situationen in Griff bekommen.
Die Sache die da jetzt Nachts in Chemnitz lief, halte ich für einen dummen Spaß. Da hat sich jemand gedacht: ja, was in Frankreich funktioniert... vll. macht ja jemand mit, hier in Deutschland oder so ähnlich - es ernst zu nehmen halte ich für übertrieben und wenn doch, dann hoffen wir doch, dass man hier aus Frankreich lernt und die Lage schneller erkennt.

Aber ich muss mal so sagen, dass ich es sogar gut finde was da in Frankreich läuft. Natürlich ist auch irgendwann mal wieder gut und vll. muss man es auch nicht derartig strapazieren, aber diese Menschen dort, füllen sich übergangen und verdrängt - nicht beachtet - und jetzt kämpfen sie für ihre Zukunft und für die Zukunft ihrer Kinder und vielleicht sogar die der Kindeskinder.
Natürlich würde ich Angst haben, wenn ich dort in Frankreich neben diesen Krawallen sitzen würde und na klar, ich kann jetzt hier - weit weg - schön daher reden. Wenn ich dort wäre, hätte ich Angst. Es ist einfach diese oberflächliche Distanz.
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flix
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« Antworten #3 am: 08. November 2005, 21:15:53 »

Ich bin sehr schockiert was da passiert. Es ist zum Teil verständlich was diese Leute antreibt, auf der anderen Seite finde ich die Mittel nicht gerechtfertigt. Diese Idioten zünden Kindergärten und andere soziale Einrichtungen an, damit zerstören sie ihre eigene Zukunft.
Zu dem reagiert die Franzosen etwas langsam, nach 12 Tagen erst eine Ausgangssperre!!
Zudem bin ich der Meinung das man die Sache nicht unterschätzen sollte, es handelt sich nicht mehr um eine Stadt oder eine Region!! Auch wenn ich hoffe das es in Dtl nicht soweit kommt, zu mindestens zur Zeit sieht es noch gut aus. Aber so wie es bei uns läuft is es auch nur noch ne Frage der Zeit.

Achso sehr interesant ist das Täterprofil: Jugendliche zwischen 12 und 15
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jelly
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« Antworten #4 am: 08. November 2005, 21:56:12 »

Zitat von: flix
Diese Idioten zünden Kindergärten und andere soziale Einrichtungen an, damit zerstören sie ihre eigene Zukunft.
wie du richtig sagtest, sind das die idioten. diese haben aber in keinsterweise was mit denen zu tun, die diese dinge angefangen haben.
auslöser war ja der tod 2er jugendlicher, weil diese von der polizei verfolgt wurden. die, die damit dann anfingen, wollen auf die bestehenden missstände dieser gesellschaft aufmerksam machen und distanzieren sich von den idioten, die schulen, kindergärten, kirchen etc pp ankündigen.


Zitat
Zu dem reagiert die Franzosen etwas langsam, nach 12 Tagen erst eine Ausgangssperre!!
das hat damit etwas zu tun, dass dem zu vor ein entschluss des parlaments gehen muss. du kannst nich einfach ausgangssperre verhängen, weil zB ne jugendgruppe ma n paar nächte rumstresst... aber 12 tage sind dennoch lang!

mir is zu ohren gekommen, dass die ersten nicht-franzosen ihre sachen gepackt haben, um nach frankreich zu fahren und dort krawalle zu machen... krank, einfach nur krank sowas!

im übrigen sollte man dieses problem nicht so weit weg schieben - es ist irgendwo weit weg und doch so nah. territorial is es halt schon recht nahe, aber vom psychischen kann ich das überhaupt nicht "fassen"... dennoch gibt es, gerade im pott, nicht wenige ähnlich gettoisierte gegenden. da gabs jetzt erst neulich nen bericht drüber, in der eine frau gezeigt wurde, die türkisch gelernt hat, um in ihrem ort kommunizieren zu können...

€dit:
und ich weiß net, ob man das mit anarchie bezeichnen könnte...
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ronizzel
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« Antworten #5 am: 09. November 2005, 17:57:35 »

Ich kann dazu nix weiter sagen, weil ich mich nicht auskenne, aber folender Text ht mich sehr, sehr berührt. Ich war mir nicht ganz sicher, ob ich ihn hier poste und in nem neuen Thread. Und dass ich nicht den Link gebe liegt übrigens daran dass ich will, dass sich das hier jeder duchliest Lächelnd

Zitat
Die andere Sicht
von Ali Saihoun

Der folgende Text mag Euch einseitig und übertrieben vorkommen. Da aber momentan die Presse weltweit die jugendlichen Randalierer als unschuldige von der Gesellschaft ausgeschlossene harmlose Lämmer darstellt, bedarf es einer Gegendarstellung. Denn wenn all das erstmal wieder vorbei ist, werde ich mit meinem Vornamen Ali für ihre Taten hinhalten müssen und die weiter verschärfte Ausländerdiskriminierung ertragen müssen. Es ist nicht erst seit zwei Wochen unmöglich, sich Nachts in die Banlieues zu verirren. Auch vorher terrorisierten die selben jugendlichen Randalierer diese Stadtteile. Nun fordern sie Respekt. Ich frage mich, was sie getan haben um sich diesen Respekt zu verdienen?

Ich lebe seit einem Jahr im 18. Arrondissement in Paris, mitten in dem berühmten Stadtteil Montmartre, in dem die Karrieren von Van Gogh und Picasso ihren Anfang nahmen. Das 18. Arrondissement grenzt im Norden an Saint-Denis, ein Viertel das momentan weltweit Schlagzeilen macht. Und genau diese Schlagzeilen machen mich wütend. Es wird über „jugendliche Randalierer“ berichtet, die von der Mehrheit ausgeschlossen seien und nun ihre Wut über eine rassistische und arrogante Gesellschaft entladen die es nicht besser verdient hätte. Und hier beginnt mein Wut. An dieser Stelle wäre mein Name von Bedeutung: Ich heiße Ali mit Vornamen. Und wer mich kennt würde mich schwer als Rassisten abstempeln können. Ich bin in Deutschland groß geworden und fühle mich ohne Einschränkung in Europa zuhause.

Was glauben die Journalisten und die Leser ihrer Artikel, was diese „jugendlichen Randalierer“ vor eineinhalb Tagen den ganzen Tag getrieben haben? Waren sie vor 12 Tagen brave nette Jungs von nebenan, die alten Frauen die Einkaufstüten nach Hause getragen haben bevor sie heim gingen und sich wieder ihren Hausaufgaben widmeten? Ganz sicher nicht, diese „jugendlichen Randalierer“ sind die Jungs, wegen derer man sich Nachts nicht in die Banlieu nicht verirren sollte. Es sind die selben Jungs, wegen derer kein Lehrer an den Schulen der Vororte arbeiten möchte. Würde einer der Journalisten sich die Mühe geben und sie Fragen: „Wer von euch hier, der Anti-Sarkozy Parolen von sich gibt, hat einen Schulabschluss?“, wären sie überrascht, dass keiner die Hand heben wird.

Die „jugendlichen Randalierer“ möchten von der Gesellschaft respektiert werden und verlangen Chancengleichheit. Ich frage mich, was sie getan haben um sich diesen Respekt zu verdienen? Ich lebe mit meiner „weißen“ Freundin westlich des berühmten Boulevard Barbès, der direkt in das Department führt in dem die Unruhen begannen. Dieser Boulevard ist wie eine unsichtbare Grenze zwischen wohlhabend, unabhängig von der Hautfarbe, und zumindest ärmer, in der Regel Schwarz-Afrikaner. Als wir auf der östlichen Seite des Boulevard eine Wohnung mieten wollten, da die Mieten dort deutlich niedriger sind, hat uns eine Vermietern gewarnt: Als Weiße, gemeint war meine Lebenspartnerin, solle man nicht dorthin ziehen. Wir haben die Wohnung nicht bekommen. Es ist also nicht immer der Staat auf den gerade so geschimpft wird, der für die Trennung verantwortlich ist.

Wir, die wir uns integriert haben, leiden unter der Existenz und Verhaltensweise dieser „jugendlichen Randalierer“ quer durch Europa. Als ich mein Jura-Studium in Konstanz beginnen wollte, bekam ich offenen Rassismus bei der Suche nach einer Wohnung zur spüren. Ich bekam einfach keine Wohnung, in einem Fall verhehlte der Vermieter seine Abneigung gegen meine Hautfarbe nicht einmal. Während er meinen Deutschen Personalausweis in der Hand hielt sagte er mir ins Gesicht: „Aber Sie sind doch kein Deutscher.“ Ihr glaubt nicht, wie es sich anfühlt von Auge zu Auge, von Mensch zu Mensch gesagt zu bekommen, dass man die falsche Hautfarbe hat, ich werde es euch nicht beschreiben können. Ich war schon mal als Jugendlicher von einer Gruppe Neo-Nazis verfolgt worden. Ich weiß nicht, wie die Sache gegen diese sechs oder sieben wildgrollenden Glatzköpfe ausgegangen wäre, wäre ich damals kein 400-Meter-Läufer gewesen - wohl nicht besonders gut für mich.

Es war der Deutsche Staat der mir dann ein Platz im Studentenwohnheim gab und sich um meine Hautfarbe nicht kümmerte. Es war der Deutsche Staat, der mir ein Studienplatz an der Universität gab, weil - und das ist der entscheidende Punkt - ich die Voraussetzungen, in diesem Fall das Abitur, erfüllte. Es war die Stadt Owen/Teck bei Stuttgart, die uns in einer Strasse nur mit Deutschen Nachbarn eine Wohnung vermietete, aber es waren auch meine Eltern die hart schufteten um die Miete zu bezahlen, es aber nicht versäumten ihre beiden Kinder nicht bevor sie ihre Hausaufgaben gemacht hatten zum Spielen aus dem Haus zu lassen.

Häufig dachte ich, wenn ich eine Ausschreibung für einen wissenschaftlichen Mitarbeiter an der Universität sah, und den immer hinzugefügten Zusatz las in dem auf eine Bevorzugung der Bewerbung von Behinderten und Frauen hingewiesen würde, ob man nicht auch eine Bevorzugung von ausländisch-stämmigen ebenfalls in Betracht ziehen sollte. Wenn Frau-Sein eine Art Behinderung ist, sind es dunkle Hautfarbe oder ein muslimischer Vorname allemal. Ausländische Abstammung ist keine Behinderung aber häufig eine Verhinderung.

Der Vater meines Kroatischen Freundes sagte uns häufig, wir Ausländer müssten doppelt so gut sein wie die Deutschen, damit wir die selben Chancen erhalten. Es mag eine traurige Weisheit sein, und es mag wünschenswert sein, diesen Zustand in Europa zu überwinden, aber noch gilt er.

Also noch mal an die „jugendlichen Randalierer“ aus den Banlieus: Was habt ihr getan, das euch den Respekt der Gesellschaft zusichern sollte? Was habt ihr vor dem Beginn der Randale denn so getrieben, außer Raubüberfälle, Drogenhandel, Schlägereien und das Terrorisieren der Nachbarschaft? Ich verfluche all die „jugendlichen Randalierer“, die anstatt sich mit Büchern und Schule zu beschäftigen, eher Anektoden über ihre Narben und die lange Liste ihrer Fehltage in der Schule zum besten geben.

Diese nicht von der Gesellschaft, sondern in erster Linie von ihren Eltern aufgegebene Immigranten-Nachfolge-Generation gibt es nicht nur in Kreuzberg oder in Saint-Denis. Auch wer sich nach Einbruch der Dunkelheit im Londoner Stadtteil Brixton verläuft, kommt selten wieder heil heraus, dieser Stadtteil ist überwiegend von Schwarzen bewohnt. Das zu sagen ist kein Rassismus. Rassismus wäre, wenn ich sagte, die Schwarzen in Brixton seien so kriminell, weil sie Gene zur Kriminalität in sich trügen.

Ich gebe zu, die Gründe der höheren Arbeitslosigkeit und größerer Perspektivlosigkeit der Folgegenerationen der Immigranten liegt auch an der Einstellung einer vielleicht sogar Mehrheit der „Weißen“. Man parkte die Immigranten oder Gastarbeiter in den Vorstädten und richtete für sie Transportmöglichkeiten ein, damit sie die Arbeit erledigten, die die Ureinwohner Europas nicht machen wollten. Bis heute sind hier in Paris beinahe ausschließlich Schwarzafrikaner als Kloreiniger eingestellt. Und nun, wegen der zunehmenden Arbeitslosigkeit bei den Ureinwohnern, wartet man wohl bis sie wieder verschwinden oder schlicht aussterben. An der Stelle kommt die schlechte Nachricht: Diese Bevölkerungsschicht vermehrt sich deutlicher als die der Ureinwohner. Mit bloßem Auge ist hier in Montmartre zu beobachten, dass gerade schwarze und arabische Frauen häufig mit mehreren Kindern an der Hand ihren täglichen Einkauf erledigen, während die weißen Frauen nur von ihren Handys begleitet werden.
Die Rolle des Staates ist äußerst wichtig, gerade mein Leben ist ein perfektes Beispiel dafür. An den Stellen, an denen die deutsche Gesellschaft mich nicht wollte, sprang der deutsche Staat ein, in einem Fall sogar die Europäische Union.

Ich möchte aber an der Stelle meine eigene Leistung unterstreichen. Ich war es, der, von meinen Eltern angetrieben, nicht typischerweise in der Hauptschule landete, sondern Abitur machte. Ich bin derjenige gewesen, der sich mit Deutschen anfreundete und nicht einen ausschließlich ausländischen Freundeskreis suchte. Ich habe ein Studium begonnen und mich nicht nur in meiner „Heimat“ auf die Suche nach einer Frau gemacht.

Diese „jugendlichen Randalierer“ sind es, die Integrierten wie mir das Leben schwerer machen, und es gibt zahlreiche wie mich. Sie kennen eine lange Liste von Schuldigen an ihrem Schicksal, die aber die Namen ihrer Eltern und ihre eigenen nicht beinhaltet. Ganz oben auf der Liste steht in Frankreich der Name des Französischen Innenministers Nicolas Sarkozy, der die Brandstifter als Gesindel bezeichnet hatte. Ich bin froh, dass der Parteivorsitzende, der in Frankreich regierenden Konservativen Partei UMP solche Töne anschlägt. Denn ich habe mitbekommen wie der Wahlkampf verlief, der zu einem „Non“ zur Europäischen Verfassung führte. Auf Platz eins der Ablehnungsgründe war die Unzufriedenheit der Franzosen mit dem damaligen Premierminister, auf Platz 2 folgte ganz dicht das Verlangen vieler Franzosen nach einem Signal gegen den Beitritt der Türkei in die EU zu senden. An den Stammtischen wurde man deutlicher: „Wir haben genug Araber hier, wir brauchen nicht auch noch die Türken“, war der Tenor.

Bei den letzten Wahlen besiegte der Faschist Jean-Marie Le Pen den Kandidaten der Sozialisten im ersten Wahlgang, und zog erst im direkten Duell gegen Chirac den kürzeren. Daher bin ich froh um Sarkozy und die Töne, die er anschlägt, dadurch wird er wohl ein paar Stimmen in Richtung Front National abfangen können. Beim letzten Mal bekam Le Pen 20 Prozent der Stimmen, wer weiß wie es bei den nächsten Präsidentschaftswahlen 2007 laufen wird.
Daher habe ich es satt, auf die westliche Gesellschaft einzuprügeln, es wird so langsam gefährlich - siehe auch die Ergebnisse der letzten Landtagswahlen in Sachsen oder den verlorenen Rückhalt der Volkparteien bei den letzten Bundestagswahlen.

Ich möchte politisch unkorrekt an uns ausländisch-stämmige Bürger in Europa appellieren. Wie viele Döner-Buden lassen sich noch in Deutschland und Frankreich eröffnen? Es wird Zeit, dass wir in Richtung anderer Berufe außer der niedrigeren tendieren und uns an die eigene Nase fassen. Warum sind Gymnasien so gut wie immigrantenfreie Zonen? Mir soll niemand erzählen, man würde bei der Einschreibung diskriminiert werden. Mir ist klar, nicht alle werden Ärzte und Anwälte werden. Aber der europäische Durchschnitt ist ein legitimes Ziel für Bewohner des blauen Kontinents mit Immigranten-Hintergrund.

Ich habe schnell bemerkt, dass in Begleitung meiner Lebenspartnerin mit dem Nachnamen Benz die Wohnungssuche hier in Paris wie in Konstanz zum Kinderspiel wurde, dennoch konnte mir an vielen Stellen nur der Staat weiterhelfen und er hat es getan, weil ich die von mir hart erarbeiteten Voraussetzungen mitbrachte. Daher ärgere ich mich so sehr über das viele Verständnis für die „jugendlichen Randalierer“, die wenig bis nichts für den von ihnen verlangten Respekt leisten und die vor dem Beginn der Unruhen keine braven und netten Jungs von nebenan waren. Die Terroranschläge von Madrid und London hinzugezählt wird die Lage für Leute wie mich immer schwieriger, weil wir immer häufiger in einen Topf mit den „jugendlichen Randalierern“ geworfen werden.

Die Presse berichtet zu einseitig und bringt ihnen meiner Meinung nach zu viel Verständnis entgegen. Und das sagt nicht einer, der ein Rassist ist, sondern einer, der sich hart, Zentimeter für Zentimeter in seinem Leben durchkämpfen musste und nun befürchtet, diesen Kampf um die Integration durch falsche und einseitige Berichterstattung zu verlieren.

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« Antworten #6 am: 10. November 2005, 14:08:47 »

Nun, ich habe  hier mal ein Interview mit einem der Beteiligten:
Zitat von: tagesschau.de
Porträt eines Randalierers
 
"Wir wollen zeigen, dass wir die Schnauze voll haben"

Frankreichs Innenminister Sarkozy hat sie als "Gesindel" bezeichnet. Soziologen sprechen davon, dass sie "benachteiligt" seien. Wer sind die Jugendlichen, die Autos und Geschäfte in den Vorstädten von Paris anzünden?


Von Stefanie Markert, SWR, Hörfunkkorrespondentin Paris

Ich treffe Issa hinter einer Hecke an einem Kreisverkehr in Aulnay-sous-Bois, einem der Brennpunkte der letzten Nächte. Der Schwarzafrikaner ist groß, schlank und hat eine Kapuze auf dem Kopf. Man hält den Zwanzigjährigen eher für einen Teenager. Issa erzählt über sein Leben: "Ich mache nichts. Ich habe vor drei Jahren die Schule abgeschlossen und kann weder Ausbildung noch Arbeit finden. Ich war auf dem Arbeitsamt. Nur Zeitjobs hab ich gehabt. Und von den neuen Arbeitsmarktreformen aus dem Fernsehen kommt bei uns doch nichts an. Von 50 Arbeitslosen findet dadurch vielleicht einer was. Und die anderen 49? Wir suchen, suchen, suchen und finden nichts."


Turnschuhe für 150 Euro - mit schmutzigem Geld bezahlt

Unterstützung erhält Issa nicht, er schlägt sich auf der Strasse durch mit Geschäften, illegalem Handel. Das funktioniere immer. An seinen schwarz-weißen Trendklamotten kann man es ablesen. "Ich fordere von meinen Eltern kein Geld", sagt Issa. "Sie verdienen schlecht und müssen schon die Miete bezahlen und uns ernähren. Meine Turnschuhe kosten 150 Euro, die Kapuzenjacke auch so viel. Das bezahle ich mit schmutzigem Geld. Wenn meine Eltern das kaufen sollten, müsste meine Familie hungern."

Issa hat drei Brüder und drei Schwestern. Seine Eltern stammen aus Mali. Er selbst ist in Frankreich geboren und hat einen französischen Pass. Doch er hat Frust: "Mir gefällt nicht, wie uns die anderen gegenüberstehen. Sie sind mißtrauisch und akzeptieren uns nicht. Sie sagen, wir sind keine Franzosen. Sie wollen nichts mit uns zu tun haben. Sie stecken in ihrer und wir in unserer Ecke."


"Die, die eine Fabrik anstecken, die kapieren nichts"  

Issa zeigt auf beigefarbene Punkthochhäuser hinter dem Kreisverkehr. Das sei seine cité, sein Territorium. 3000 Wohnungen gebe es da. Dort sind die Nächte heiß. Die Polizei mit Steinen bewerfen, ja, das seien sie. Autos neben einem Kommissariat anzünden, das seien sie auch. Aber Schulen oder Krippen abfackeln, "das sind doch Schwachsinnige", grenzt sich Issa ab. "Und die Leute, die eine Fabrik hier angesteckt haben, die kapieren nichts, das ist schließlich Arbeit für uns".


Innenminister Sarkozy: Hassfigur Nummer 1

Er weiß, dass Sympathien verspielt worden sind. Doch er zieht weiter los, erzählt seinen Eltern abends, er gehe zur Freundin oder zu Verwandten. Dabei hat ihn nicht so sehr der Unfalltod zweier Gleichaltriger, aus denen die Gerüchteküche Polizeiopfer gemacht hat, auf die Straße gebracht. Vielmehr war es die Tränengasgranate in einer Moschee, die die Polizei nicht geworfen haben will. Und da ist noch die Hassfigur Nummer 1, der französische Innenminister. "Er hat gesagt, er werde alles reinigen hier vom Abschaum, von den Gammlern und dem Krebsgeschwür. Die Äußerungen können wir nicht akzeptieren. Er kommt in die cité und provoziert uns." Genau wie die Polizei - die sei nur nett, wenn sie in der Unterzahl sei, sonst aber machen sie uns an, schubsen und filmen uns mit versteckten Kameras, meint Issa.

"Wir wollen der Regierung zeigen, dass wir die Schnauze voll haben von Frankreich und seinen Gesetzen, davon, dass wir immer Zielscheibe der Polizei sind", dreht Issa den Spieß um. An das Vorhaben, die Viertel zu sanieren, glaubt er nicht. Das treibe doch nur die Mieten hoch. Auch neuen Notplänen vertraut er nicht, die Probleme der Vorstädte seien schließlich seit 30 Jahren ungelöst. Und wenn Issa doch Arbeit findet, hört er dann mit dem Dealen auf? "Auch dann werde ich handeln, aber weniger, man braucht eben Geld. Doch wenn wir arbeiten, machen die Jüngeren weiter. Ihnen muss der Staat zuerst helfen klarzukommen."


Fußball gucken und Kühlanlagenbauer werden

Issas unmittelbares Ziel ist es, nicht erwischt zu werden. Seine Anführer haben bereits zur Ruhe aufgerufen. Das Image des Departements soll nicht weiter beschädigt werden. Issa denkt daran, was er dann wieder an den Wochenenden machen wird: Fußball gucken und tanzen gehen. Und von seinem Wunschberuf träumen. Der Schwarzafrikaner möchte Kühlanlagenbauer werden. Zuerst aber müssen sich die erhitzten Gemüter abkühlen.
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« Antworten #7 am: 23. März 2006, 14:19:51 »

Das Thema trifft zwar nicht mehr zu und die Ursachen sind (zumindest oberflächlich) andere, aber in Frankreich gibt es neue Ausschreitungen...

Vielleicht führt das hier jm fort.
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flix
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« Antworten #8 am: 23. März 2006, 14:54:29 »

Ich weiss ja nicht wie gut die Geschichtekenntnisse sind, aber einige franz. Revolutionen sind übergeschwappt und ich denke es ist bald wieder soweit.
In Frankreich gehen die Leute auf die Straße und zeigen Courage, "nur" weil der Kündigungschutz für Berufsanfänger fallen soll. Ok die Franzosen gehen gern mal auf die Staße, aber in Dtl sind die Einschnitte heftiger, dazu kommen 3 % mehr Mehrwertsteuer und andere Einschnitte und bis jetzt hat keiner gezuckt. Das ist wahnsinn. Die zur Zeit laufenden Streiks zeigen sicherlich in die Zukunft. Denn so wie es mir scheint hat die Wirtschaft mehr Einfluss als vielleicht gut ist.
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fabian
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« Antworten #9 am: 23. März 2006, 16:25:34 »

Zitat
Das ist wahnsinn. Die zur Zeit laufenden Streiks zeigen sicherlich in die Zukunft. Denn so wie es mir scheint hat die Wirtschaft mehr Einfluss als vielleicht gut ist.
das is richtig die regierung macht sich zu abhängig von der wirschaft. abber zu frankreich ich denk ni das das nach Deutschland uberschwappt da man das bei den ausländer aufständen in Frankreich auch gedacht hat und es nie passiet ist. abberes ist troz allem bedenkens wert wann das Deutsche Volk ma zeigt was es denkt. so dann Äusert euch man dazu.
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jelly
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« Antworten #10 am: 23. März 2006, 19:28:29 »

Zitat von: flix
Ich weiss ja nicht wie gut die Geschichtekenntnisse sind, aber einige franz. Revolutionen sind übergeschwappt und ich denke es ist bald wieder soweit.
ich weiß ja nicht, wie dein geschichtswissen ist, aber das, was da zZ abläuft hat mit nichten was mit ner frz. rev. zu tun. es sind friedliche massenproteste, wo nebenbei auch noch verhandelt wird. einige versuchen die sorbonne zu besetzen, davon werden sie von der polizei zurück gehalten. dass das nicht immer friedlich zu geht, sollte klar sein.

Zitat von: "http://de.wikipedia.org/Revolution/
Allgemein
Eine Revolution bezeichnet in der Soziologie sowie umgangssprachlich einen radikalen und meist, jedoch nicht immer gewalttätigen sozialen Wandel (Umsturz) der bestehenden politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse. Er wird von einer organisierten, möglicherweise geheimen, Gruppierung von Neuerern getragen und findet die Unterstützung größerer Bevölkerungsteile (vergleiche: Elite, Masse (Soziologie), Massenbewegung). Wenn dem Wandel die Schnelligkeit (Rapidität) abgeht, etwa für die global mehrere tausend Jahre dauernde »Neolithische Revolution« (vgl. Steinzeit) oder für die Industrielle Revolution (s. a. Industrialisierung), kann auch dies im Rückblick als "Revolution" bezeichnet werden.
also ich würds nicht als revolution darlegen! es ist streik, demonstration... massenproteste also! es wird aber nicht versucht, das politische system zu stürzen. es ist viel mehr im rahmen des politischen systems, welches ausgekostet wird.

Zitat von: flix
In Frankreich gehen die Leute auf die Straße und zeigen Courage, "nur" weil der Kündigungschutz für Berufsanfänger fallen soll.
dir sind die folgen von sowas aber schon bewusst? ich beschäftige jmd solang, bis er krank ist oder bis er mal nicht mehr 100% arbeitet und werf ihn dann sofort raus... da darfs dir u. U. nicht mal einen tag schlecht gehen - ob das ein "nur" verdient?

Zitat von: flix
Ok die Franzosen gehen gern mal auf die Staße, aber in Dtl sind die Einschnitte heftiger, dazu kommen 3 % mehr Mehrwertsteuer und andere Einschnitte und bis jetzt hat keiner gezuckt. Das ist wahnsinn. Die zur Zeit laufenden Streiks zeigen sicherlich in die Zukunft. Denn so wie es mir scheint hat die Wirtschaft mehr Einfluss als vielleicht gut ist.
dt. hat einfach das problem, dass die sackfaul sind. die meisten gehen doch mit der vorstellung ran, dass es "doch eh nichts bringt" oder "keinen interessiert" oder "sinnlos ist" - ich verweise hier auf den thread zur demokratie-meile, wo ich mich da ziemlich an Annipie's äußerungen erinnern kann (ohne damit den schwarzen peter zu zuschieben). erst wenn in dt. ein großteil versteht, dass es was bringt, nur dann wird es auch was bringen.

@fabian:
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flix
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« Antworten #11 am: 23. März 2006, 21:05:58 »

Jelly du hast recht, eine Revolution ist noch verdammt weit weg; doch wenn schon mit Generalstreik gedroht wird ist man schon ganz schön weit weg von einfachen Demonstrationen. Auch wenn die Randale schlimm sind, muss man schon sagen, dass das langsam zu nem Wirtschaftsfaktor in Frankreich wird. Auch ne Methode die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen. (im wahrsten sinne)

Das "nur" soll den Unterschied zwischen Frankreich und Dtl zeigen. In Frankreich handelt es sich nur um die Jugend, was schon extrem hart ist. In Dtl gilt das auch für den 60 Jährigen, der durch großes Glück nochmal ne Anstellung gefunden hat.

Vielleicht geht es uns auch einfach noch zu gut, um den eigenen Arsch auf die Straße zu bewegen. Uns interesiert es doch erst wenn es um unsere eigenes Geld geht.
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Heike
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« Antworten #12 am: 24. März 2006, 08:11:01 »

Zitat von: jelly
dir sind die folgen von sowas aber schon bewusst? ich beschäftige jmd solang, bis er krank ist oder bis er mal nicht mehr 100% arbeitet und werf ihn dann sofort raus... da darfs dir u. U. nicht mal einen tag schlecht gehen - ob das ein "nur" verdient?
da gebe ich dir recht. immerhin sind das dann vergleichbare verhältnisse wie in der zeit der ind. rev. - die "industrielle reservearmee" stand bereit, jeder konnte ausgetauscht werden.
damals wurde es mit "soziale frage" bezeichnet... das sollte zu denken geben.
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Lange bevor ich erwachsen wurde,
lehrte mich ein Teddy,
was Liebe wirklich heißt:
nämlich da zu sein, wenn man gebraucht wird.
(Jim Nelson)
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